Schloss Eggenberg in Graz
Planetensaal und Planetengarten
Bericht von Peter Cermak
Für mich überraschend und neu stieß ich auf meinen
fotografischen Streifzügen durch die Steiermark, nachdem ich
schon den Ökopark auf der Teichalm mit seinem astrologisch-keltischem
Baumlehrpfad kennen gelernt und in Rettenegg den Planetenweg für
die ATAIR-page entdeckt hatte, auf einen folder, der anlässlich
der Eröffnung eines Planetengartens im Schloss Eggenberg in
Graz in einem Hotel aufgelegt worden war.

Zufahrt zum Schloss durch die Allee des Parks
Vor Ort stellte sich heraus, dass das gesamte Schloss nach geomantischen
Beobachtungen und Überlegungen gebaut worden war, dass in das
Bauwerk rosenkreuzerische Ideen eingeflossen waren und die Astrologie
ihren Niederschlag in einem eigenen, der Darstellung der Planetengötter
gewidmeten Saal gefunden hatte.

Apollo rising an der Decke des Planetensaals
Das Schlossgebäude weist auffallende Parallelen zum Bau des
Escorial in Madrid auf, bei der Planung sind aber auch Ideen des
Manierismus eingeflossen, insbesondere jene, die sich mit Utopien,
also idealen Gesellschaftsformen wie der „Civitas Solis“
des ketzerischen Mönches Tommaso Campanella oder Francis Bacons
„Neu Atlantis“ auseinander setzen.

Diana, durch die Wälder streifend
Die Utopia, die für das Schloss Eggenberg Pate stand, dürfte
„Christianopolis“ eines Johann Valentin Andreae gewesen
sein. Sein Idealstaat sollte auf den Prinzipien des Universums errichtet
werden, sein Grundriss als Abbild des Universums auf den Grundformen
von Kreis und Quadrat erbaut sein, als Stadt des Lichts den Menschen
ein friedliches Leben bieten und Alchemie und Mathematik, Magie
und Kabbala als Grundlagen des Wissens anbieten, lehren und verwirklichen.

Jupiter mit einem Bündel Blitze in der Rechten
Da ich um eine Fotografier-Erlaubnis anzusuchen hatte (Museums-Status),
war ich bald mit der Direktorin, Frau Barbara Kaiser, im Gespräch,
die mir bereitwillig eine exklusive und kunstgeschichtlich wohlfundierte
Führung durch Planetensaal und – garten angedeihen ließ.
Die Kunsthistorikerin erläuterte mir die politischen Hintergründe
und die Beweggründe des Erbauers des Schlosses, Hans Ulrich
von Eggenberg (1568 – 1634). Dabei erfuhr ich u.a., dass Darstellungen
der personifizierten Planetenkräfte, der Götter der Römer
und Griechen, in Schlössern, vor allem in italienischen, damals
ziemlich üblich und weit verbreitet waren. Sollte der/die LeserIn
dieser Seite in solcherart Genuss gelangen, so bitte an ATAIR diesbezügliche
Berichte und Bilder zu senden.

Die Waage als auf Erden vernachlässigte
Gerechtigkeit (Justitia), als Sternbild
an den Himmel versetzt
Dem Clan der Eggenberger war es bei den Decken- und Wandgemälden
im Planetensaal wichtig, ihren herrschaftlichen Status als von Gott,
resp. von den himmlischen Kräften gewollt, sanktioniert und
bestätigt zu untermauern. Weitere viele Gemälde und Dekorationen
in den anderen Räumen des Schlosses dienten der Anschauung
und der Erbauung, der Unterhaltung, des Unterrichts und der politischen
Propaganda. So gibt es z.B. etliche Gewaltszenen aus der türkisch/islamischen
Geschichte, die die Brutalität der Muselmanen dokumentieren
sollten. Damals hatten ja Wien und Graz mit belagernden und einfallenden
Türken zu kämpfen.

Merkur im Landeanflug als Überbringer
des Eggenbergischen Fürstendiploms
Die Anlage des Planetengartens folgt keinem historischen Vorbild.
Seit der Erbauung des Schlosses wandelte sich das Bild der Gartengestaltung
mehrfach. So gab es ursprünglich ein Feigenhaus und einen kleinen
Garten, später eine quadratische Gartenanlage mit Ecktürmen
und Alleen, dann Karrees aus hohen Hainbuchenwänden, in denen
Gemüse, Spargel und Artischocken für die fürstliche
Tafel angebaut wurden.
Im weiteren Verlauf machten Park und Gärten verschiedene Wandlungen
durch bis im Winter 2000 ein Teil des ehemaligen Blumengartens unter
der Planung der Architektin Helga Maria Tornquist in einen Planetengarten
verwandelt wurde. Jetzt gedeihen dort in eigenen Arealen den jeweiligen
Planeten zugeordnete Pflanzen. Die Areale selbst sind typisch für
die Planeteneigenschaften.

Von Obelisken gesäumt der Weg zur Sonne.

Der Mond,
ein von einer Hecke umschlossener Brunnen.

Venus erscheint zweifach,
als Rosenhecke für die Stiervenus...

...und als mildere Venuszone für die Waage.

Die Beete des Mars,
ein zackenförmiger Teppich aus Berberitzen,
garniert mit Nadelbäumen.

Saturn umgibt als Mauer den Garten
in exakter und gradliniger Ausführung.

Fachkundige Hinweistafeln kennzeichnen
Planetenprinzip und zugeordnete Eigenheiten.
Details zu beschreiben oder den Garten mit einigen Bildern zu dokumentieren
ist eine leider unzureichende Angelegenheit, deshalb lege ich das
persönliche Erleben von Planetengarten, dem Schloss, dem Planetensaal
und dem umgebenden Park nahe. AstrologInnen empfehle ich mindestens
einen halben Tag für dieses Erlebnis einzuplanen.
Am Ticketschalter des Schlosses gibt es ausführliche Literatur
über Geschichte und Gestaltungsmerkmale, sowie über detaillierte
Erläuterungen der in den Gemälden und in der Architektur
verwendeten Symbole.
Von März bis November ist das Schloss zu besichtigen und
interessierte AstrologInnen können um eine Spezialführung,
wie ich sie erleben durfte, ansuchen: 0316 / 8017-9532.
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